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Verleihung der Albert Einstein - Medaille an Gustav Andreas Tammann am 25. Mai 2000
(Aula der Universität Bern)

In seiner Einführung sprach der Präsident der Albert Einstein - Gesellschaft, Dr. Hans Krähenbühl, über die Bedeutung der Medaille: sie wird an jene Wissenschaftler verliehen, die in ihrem Forschen an die Erkenntnisse des wohl berühmtesten Physikers und Denkers dieses Jahrhunderts anknüpfen. Die 20. Medaille ging dieses Jahr an den Astrophysiker Professor Dr. Gustav Tammann aus Basel für sein 40jähriges Schaffen in der Astronomie und Kosmologie und seine Mitarbeit im wissenschaftlichen Kuratorium der Albert Einstein - Gesellschaft.

Der Laureat wies in seiner Begrüssung auf die Bedeutung der Stadt Bern als einen Ort hin, wo auch heute kosmische Physik betrieben wird, und das in theoretischer Physik, in Elementarteilchenphysik, Astronomie und Weltraumforschung.
Sein Vortrag handelte von der Ausdehnung oder Expansion des Universums. Er, der an vorderster Front an der Bestimmung des Alters und der Ausbreitungsgeschwingigkeit des Alls beteiligt ist, erklärte uns in einfachen Worten, worum es geht: Dem Aufgehen eines mit Rosinen gefüllten Gugelhopfes gleich, dehnt sich das Universum - genauer die Raum-Zeit- aus mitsamt seinen darin befindlichen Sternansammlungen, den Galaxien. Der Beobachter kann diese Fluchtbewegung der Galaxien direkt aus der sogenannten Rotverschiebung in ihren Spektren bestimmen.Wenn wir uns in irgendeine Rosine hineindenken, so bewegt sich die uns benachbarte Rosine beim Aufgehen des Gugelhopfs von uns weg, die dahinterliegende ebenfalls, aber mit grösserer Geschwindigkeit. Also: Je weiter eine Galaxie von uns entfernt ist, umso schneller strebt sie von uns weg, womit man schlüssig zeigen kann, dass das Universum in ständiger Ausdehnung begriffen ist. Zu Einsteins Zeiten ging man demgegenüber von einem sogenannten statischen Universums aus. In diesem Modell bleiben die gegenseitigen Abstände der Himmelskörper im wesentlichen unverändert. Tammann schilderte mit vielen guten Folien die erstmals von Hubble durchgeführten Messungen bis hin zu neuesten Daten. Er würdigte dabei die ausserordentlichen Schwierigkeiten, zuverlässige Abstandsbestimmungen zu gewinnen, ein Unterfangen, das nur indirekt über komplizierte Eichungen gelingt. Man bedenke, dass man mit heutigen Beobachtungsgeräten (worin das Hubble - Teleskop eine herausragende Stellung einnimmt), Abstände bis zu 15 Milliarden Lichtjahren bestimmen kann! Es gibt heute Datensätze, die derart genau sind, dass sich sogar gewissse Beschleunigungen während der Anfangsphase des Universums ablesen lassen; ein Umstand, der gegenwärtig in der Astrophysik intensiv diskutiert wird.
In seiner ihm eigenen Art verstand er es, auf exakte und gleichzeitig durchsichtige Art den Zuhörern zu erläutern, wie sich aus der sogennanten Hubble-Konstanten das Alter des Universums berechnen lässt. Demnach hat unsere kosmische Geschichte vor etwa 15 Milliarden Jahren in einer unvorstellbaren Explosion, dem „Urknall“ angefangen. Eine andere, dem Laureaten wichtige Erkenntnis ist die folgende: Erstaunlicherweise sind manche Steine auf unserer Erde „fast“ gleich alt, nämlich etwa 4 Milliarden Jahre. Damit ist unsere kosmische Heimstätte bloss viermal älter als ein Stein, den wir in die Aare werfen!

Im Anschluss an den Vortrag würdigte Prof. Dr. Peter Minkowski, Präsident des Kuratorums, die wissenschaftlichen Leistungen des Laureaten. Unter Applaus wurde dem angesehenen und liebenswerten Professor aus Basel die Einstein-Medaille überreicht.

Hansjörg Friedli

 

 
 
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